Das Dachatelier

Das Dachatelier

Renovierung einer Dachgeschosswohnung  

Mit dem Projekt Das Dachatelier wurde eine in die Jahre gekommene Dachgeschosswohnung im Wiener Stadtgebiet grundlegend transformiert. Ziel war es, den vorhandenen Bestand respektvoll weiterzudenken und zugleich eine warme, zeitgemäße Wohnqualität zu schaffen. Die circa 35 Jahre alte Wohnung wurde sowohl räumlich als auch atmosphärisch neu interpretiert – mit einem besonderen Augenmerk auf nachhaltige Materialien, sorgfältige Detaillierung und die Verbindung von Altbaucharme mit modernen Anforderungen.

Der neue Grundriss folgt einer klaren, offenen Raumlogik. Der zentrale Wohnbereich mit Küche bildet das Herzstück der Wohnung und ist direkt mit einer Loggia und einem angrenzenden Dachgarten verbunden. Die großzügige Öffnung nach außen schafft einen fließenden Übergang zwischen Innen- und Außenraum und erweitert den Wohnraum ins Grüne – ein Rückzugsort über den Dächern der Stadt. Die Loggia ist mit Terrakottafliesen ausgelegt, umgeben von einer vertikalen Holzprofil-Täfelung aus Thermo-Kiefer. Begrünung durch wilden Wein und eine eigens gepflanzte Platane schaffen eine weiche, wohnliche Atmosphäre, die dem Außenraum die Qualität eines naturnahen Möbels verleiht.

Gestalterisch ist das Projekt von der Formsprache Alvar und Aino Aaltos inspiriert. Ihre Haltung – funktional, warm, naturverbunden – spiegelt sich in den Materialien, der Möblierung und der Detailausbildung wider. Warme Erdtöne, handwerklich bearbeitete Oberflächen und eine klare, zurückhaltende Sprache prägen die Räume. Die Wände sind mit einem fein strukturierten Tonputz versehen, der in natürlichen, erdigen Farbtönen ausgeführt ist. Diese mineralischen Oberflächen verbessern nicht nur das Raumklima und die akustische Qualität, sondern tragen maßgeblich zur behaglichen und gesunden Wohnatmosphäre bei. Die Farbigkeit verleiht den Räumen Tiefe und Ruhe – ohne dabei dekorativ zu wirken.

Ein besonderer Moment im Grundriss ist das WC, das als kleiner, abgeschlossener Raum bewusst kontrastierend zur Offenheit der übrigen Wohnung gestaltet wurde. Tageslicht fällt durch ein mit Glasbausteinen ausgeführtes Innenfenster diffus in den Raum und erzeugt eine sanfte, atmosphärische Beleuchtung. Warme Terrakottatöne und eine umlaufende Eichenbordüre mit klassischer Profilierung verleihen dem Raum eine geschützte, fast höhlenartige Anmutung – funktional, aber mit gestalterischer Zärtlichkeit gedacht.

In allen Bereichen wurde besonderer Wert auf hochwertige, möglichst wiederverwendete Materialien gelegt. Der Boden besteht aus historischem Eichenparkett, der aus einer über 150 Jahre alten Cottage-Villa stammt und nach sorgfältiger Aufarbeitung in die neue Raumstruktur eingefügt wurde. Die Badezimmer und Teile der Küche sind mit italienischen Fliesen ausgestattet, darunter handgefertigte Cesi-Fliesen, die durch ihre subtile Textur und natürliche Farbigkeit zur Materialtiefe beitragen. Ergänzt wird dies durch sorgfältig ausgewählte Edelstahlarmaturen, maßgefertigte Einbauten und klassische Altbau-Türen, die erhalten, überarbeitet oder stilgerecht ergänzt wurden.

Der gesamte Innenausbau folgt dem Anspruch, Alt und Neu so miteinander zu verweben, dass eine neue, kohärente Gesamtatmosphäre entsteht – frei von stilistischen Brüchen, aber voller inhaltlicher Tiefe. Lichtschalter im Stil historischer Bakelit-Modelle, restaurierter Fischgrätboden, Wand- und Deckenprofile sowie gezielt eingesetzte Holzelemente knüpfen an den Altbaucharakter an, ohne ihn zu imitieren. Die Materialwahl, die haptische Qualität und die räumliche Organisation zielen auf eine warme, reduzierte und zugleich langlebige Wohnumgebung ab.

Das Dachatelier ist ein Beispiel für eine zeitgemäße, nachhaltige Architektur im Bestand: sensibel, handwerklich, mit Blick für Details und mit dem Bewusstsein, dass Räume nicht nur gestaltet, sondern auch bewohnt und gelebt werden.



Kategorie

Wohnung, Interior

Ort

Wien

Zeitraum

2023-24

Auftraggeber

Privat